ÖLPM - Ernährung
 
 
 
 
 
 
   
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Österreichische Liga für Präventivmedizin – ÖLPM

Österreichisches Grünes Kreuz für Gesundheit
 
 
   

Kalorische Restriktion - Hungernde Zellen verlängern unser Leben

(dgk) Stress lässt Zellen schneller altern. Hungern, auch eine Form von Stress, kann das
Leben hingegen verlängern und Alterungsprozesse verlangsamen. Hungerkünstler bleiben
zudem bis ins hohe Alter fit. Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs oder Demenz treten
bei der sogenannten kalorischen Restriktion später oder gar nicht auf.

Kalorienrestriktion und mäßige körperliche Bewegung: Diesen Lebensstil wenden bereits
viele Menschen in den USA an, um ihr Leben zu verlängern. Die wissenschaftliche Basis für
diese Strategie liefern Forscher wie Professor Richard Weindruch vom Regional Primate
Research Center der University of Wisconsin in Madison (
http://aging.wisc.edu). Weindruch
studierte den Zusammenhang zwischen Kalorienrestriktion und Altern in Langzeitversuchen
mit Nagern und Rhesus-Affen. Mäuse eines langlebigen Stamms, die etwa 120 kcal pro Woche
zu sich nahmen, starben nach maximal 35 Monaten. Erhielten sie jedoch nur 50 kcal pro
Woche, lebten sie maximal 50 Monate und bei nur 40 kcal sogar 55 Monate. Wichtig dabei:
Die Mäuse in allen Gruppen erhielten mit dem Futter eine ausreichende Menge an Vitaminen
und Mineralstoffen.

Entsprechende Experimente mit Rhesus-Affen laufen seit Ende der 1980er-Jahre und damit
noch nicht lange genug, um über die maximale Lebenspanne der Tiere, die bei 30 Jahren
liegt, etwas aussagen zu können. Fest steht aber: Der 26-jährige Rhesus-Affe Owen sieht
mit seinem matten, struppigen Fell, faltigen Gesicht, hängenden Schultern, müden Augen
und Hängebauch aus wie ein Greis. Der schlanke, etwa gleichaltrige Canto hingegen ist fit
wie ein Turnschuh. Owen durfte die letzten 16 Jahre richtig reinhauen, Canto blieb mit einer
um 30 Prozent reduzierten Kalorienzufuhr viel länger fit und agil. Außerdem vermuten die
Forscher bei ihm eine um 30 bis 50 Prozent längere Lebenserwartung.

Auch eine andere Untersuchung legt die gesunde Wirkung des „Kohldampf-Schiebens“ nahe.
Wissenschaftler der Louisiana State University setzten 24 Menschen auf Diät: Sie durften
nur 75 bis 88 Prozent der Kalorienmenge zu sich nehmen, die sie benötigten, um ihr Gewicht
zu halten. Nach sechs Monaten wurden die Probanden untersucht: Sie hatten günstigere
Insulinwerte und weniger Schäden im Erbgut.

„Der Prozess der Nahrungsverwertung bestimmt unmittelbar die Geschwindigkeit der meisten
Alterungsprozesse – wie die Entstehung von zellschädigenden Radikalen, die Verfügbarkeit
von antioxidativ wirkenden Schutzstoffen bis hin zu Hormonverläufen und -wirkungen“,
so Dr. Rüdiger Schmitt-Homm, Autor des Handbuchs „Anti-Aging & Prävention“. „Jede Mahlzeit,
die wir zu uns nehmen, hinterlässt ihren Fingerabdruck nicht nur auf unseren Speckpolstern,
sondern generell im Zellbereich überall im Körper.“

Doch was genau passiert dabei im Körper? Bestimmte Enzyme der sogenannten Sirtuin-
Familie werden angeschaltet, wenn die Energiezufuhr sinkt. Sirtuine stärken die Gesundheit,
wirken indirekt Entzündungen entgegen und verzögern den Zelltod. Nach einigen Stunden
ohne Nahrung lässt ein Gen die Produktion von Sirtuinen anlaufen. Diese aktivieren dann
bestimmte Proteine, die die Widerstandskraft der Zelle erhöhen.

Gegen völlige Enthaltsamkeit sträubt sich aber die menschliche Natur: Hungerkuren sind
schon oft gescheitert. Doch wer nur 30 Prozent weniger isst, lebt 30 bis 50 Prozent länger.
Wichtiger noch: Sie werden gesund, intelligent und glücklich älter, versprechen Wissenschaftler.
Wie der Franzose weiß: Weniger ist mehr, und dabei muss auf Genuss nicht verzichtet
werden. Die Nouvelle Cuisine legt Wert auf hochwertige Nahrungsmittel wie Gemüse,
Salate, aber auch auf Eier, Pilze, Fisch und Fleisch, die eine optimale Eiweißzufuhr gewährleisten.
Aber reduzierte Kaloriendichte wirkt nur bei gleichzeitig hoher Nährstoffzufuhr hemmend
auf Alternsprozesse. Das bedeutet: Die Lösung ist nicht die einfache Reduktion von
zwei Knödeln auf einen, sondern der Austausch des zweiten Knödels durch ein komplexes
Angebot von Gemüse, Salat und Obst. Gezielte Nahrungsergänzungen durch Vitalstoffe
können zudem helfen, optimierte Zellschutzwirkungen zu erzielen.

Übrigens: Viele Menschen essen automatisch weniger, wenn sie Stress haben. Doch der
Effekt ist leider gleich Null, denn „Stress und kalorische Restriktion heben sich gegenseitig
auf. Wer gewinnt, hängt vom jeweiligen Ausmaß ab“, so Schmitt-Homm. Ein guter Weg ist,
das Essen nur wenig zur reduzieren – zum Beispiel abends (Dinner-Cancelling) – und Stress
möglichst wenig entstehen zu lassen. Vermeiden Sie Heißhunger mit gesunden Snacks und
genießen Sie jede Mahlzeit bewusst!

Gesunde Ernährung - leicht gemacht

Noch nie war das Nahrungsangebot so abwechslungsreich und so "gesund", wie heute - wenn man damit richtig umgeht.

Vernünftig und sinnvoll ist in erster Linie eine abwechslungsreiche Mischkost, da es keine Lebensmittel gibt, in dem alle Nährstoffe entsprechend unserem täglichen Bedarf enthalten sind. Dies trifft nur für die Muttermilch in den ersten Lebenswochen zu. Jede Einseitigkeit auf Dauer schadet und stellt eine Gefährdung unserer Gesundheit dar. Man sollte weder zu viel noch zu wenig essen. Daß heißt: nicht zu viel Energie, nicht nur tierische Produkte, sondern auch ausreichend zusammengesetzte Kohlenhydrate (= reichlich in Obst, Gemüse und Getreide), vor allem pflanzliches Eiweiß (Hülsenfrüchte) und Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe essen.

Richtlinien einer gesunden Ernährung:

* Weniger ist mehr (weniger Energie, weniger Fett, mehr Qualität)
* Tierische Nahrungsmittel einschränken, pflanzliche bevorzugen!
* Täglich ein Portion Gemüse oder Kartoffeln von ungefähr mindestens 200 g.
* Täglich mindestens 1 bis 2 Stück Obst.
* Täglich eine Portion Salat (75 g) mit fettarmen Dressing. Mayonnaise-Salate zählen nicht mehr zu Salat.
* Täglich ein Getreideprodukt. Beispielsweise ein Müsli oder ein Stück Vollkornbrot zum Frühstück, Reis oder Vollkornteigwaren zu Mittag oder Haferflocken am Abend. Stark ausgemahlene Mehlsorten und die daraus hergestellten Produkte zählen hier nicht.
* Täglich Milch oder ein Milchprodukt bis zu ¼ Liter. Besonders fettreiche Milchprodukte (Schlagobers, Rahm, Käse mit 45% F.i.T. sollen aber gemieden werden).
* Reichlich trinken! Auch wenn man keinen Durst verspürt sollte man täglich mindestens 1,5 l Flüssigkeit (bevorzugt ungezuckert und ohne Alkohol) zu sich nehmen.
* Richtige Zubereitung! Bevorzugen Sie immer eine fettarme Zubereitung. Kochen Sie so kurz wie möglich, langes Kochen laugt Nährstoffe aus oder zerstört sie.

FETT MACHT FETT

Was Sie über das Lagern und Erhitzen von Fetten und Ölen wissen sollten?

Functional Food - Lebensmittel mit Zusatznutzen?

I.Kiefer, P. Burger, M.Blass, E.Berghofer, F.Hoppichler

Unter funktionellen Lebensmitteln versteht man Lebensmittel, die zusätzlich zu ihrem ernähurngsphysiologischen Wert die Gesundheit, die physische Leistungsfähigkeit oder den Gemütszustand positiv beeinflussen oder Krankheitsrisiken senken (Synonyme: Nutraceuticals, Designer Food, Health Food, Pharma Food etc.). Sie werden als zusammengesetztes Lebensmittel als Teil der normalen Kost verzehrt (keine Darreichung als Tablette. Kapsel o.ä.).
Dabei kann es sich um ein natürliches Lebensmittel handeln oder um ein Lebensmittel, zu dem ein Bestandteil hinzugefügt oder auch abgetrennt wird, oder auch um ein Lebensmittel, in dem die natürliche Struktur einer oder mehrerer Komponenten modifiziert oder dessen Bioverfügbarkeit verändert wurde. Die haben somit eine tertiäre Funktion, da sie sowohl über die primäre Funktion (=Nährwert) als auch über den sekundären Wert (= sensorische Eigenschaften von Lebensmitteln) hinausgehen.
Leider gibt es keine allgemeingültige Definition für FF.
Eine einfache Definition, die das Wesen der FF ganz gut erfaßt, lautet: FF sind Lebensmittel, die über ihren Ernährungswert hinaus einen positiven Einfluß auf die Gesundheit und das körperliche und geistige Wohlbefinden des Konsumenten ausüben und Krankheiten vorbeugen.
Ein weiterer, aus Japan stammender Begriff ist FOSHU (Food For Specified Health Use).

Aus ernährungswissenschaftlicher bzw. medizinischer Sicht lassen sich für FF folgende Ziele definieren:

1. Vorbeugung von Mangelerkrankungen (z.B. verbesserte Versorgung mit Ca, J,F, Se, Ballaststoffen, Aminosäuren)
2. Prävention von "Lifestyle-Erkrankungen" (z.B. verbesserte antioxidative Schutzsysteme durch potentielle Antioxidantione, bioaktive Substanzen)
3. Optimierte Versorgung von Gruppen mit eingeschränkter Toleranz(z.B. bei Fettstoffwechselerkrankungen)

Für viele ernährungsassoziiete Erkrankungen sind Präventionsfaktoren bekannt, die sich in Lebensmittel einarbeiten lassen. Damit verbindet sich die Hoffnung, dass sich insgesamt zu einer "gesünderen" Ernährungsweise, zu einer Verbesserung des Gesunheitszustandes und letztendlich auch zu einer Begrenzung der Kosten im Gesundheitssystem beitragen können. Potentielle Benefits werden vor allem in der antioxidativen Wirkung, in der Reduktion des Krebsrisikos und in der Reduktion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen genauso wie in der Stärkung des Immunsystems, in der Osteporosereduktion oder auch in der möglichen Verringerung der Menopausesymptomatik gesehen.

erschienen in: J. Ernährungsmed. 2/2002
 
 
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