ÖLPM - Ohr
 
 
 
 
 
 
   
EXTRANET
 
   
   
Österreichische Liga für Präventivmedizin – ÖLPM

Österreichisches Grünes Kreuz für Gesundheit
 
 
   

HÖRSTÖRUNGEN

Häufigkeit von Hörstörungen
Die Häufigkeit von Hörstörungen wird vielfach unterschätzt, da diese Störungen in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht offensichtlich sind. Immerhin sind ca. 20% der Bevölkerung davon betroffen. Hörstörungen treten in allen Altersstufen auch bereits beim Neugeborenen auf, der Prozentsatz der Betroffenen steigt allerdings deutlich ab einem Alter von 50-60 Jahren an.

Lokalisation von Hörstörungen
Hörstörungen können durch pathologische Veränderungen im Bereich von Gehörgang, Mittelohr, Innenohr (Schnecke /Cochlea) und Hörnerv bedingt sein, in seltenen Fällen auch durch Veränderungen der zentralen Hörbahn (Abbildung).


Die wesentliche Funktion von äußerem Ohr und Mittelohr ist die Zufuhr bzw. Übertragung von Schall in das Innenohr. Pathologische Veränderungen von äußerem Gehörgang und Mittelohr führen daher zu einer Verschlechterung der Schallübertragung - die Betroffenen hören je nach Ausmaß der Schädigung alles leiser.
Wesentlich vielfältiger ist die Funktion der Schnecke; hier werden die Schallsignale zeitgerecht in elektrische Signale des Hörnerven übersetzt. Die Auswirkungen von Schäden in der Cochlea auf das Hören sind daher vielfältig: das Ausmaß der Hörschädigung kann von geringgradig bis zur Taubheit stark variieren, die einzelnen Frequenzbereiche können vollkommen unterschiedlich betroffen sein - Hörgeschädigte hören z.B. Sprache, da sie die lauten, tieffrequenten Vokale hören, verstehen jedoch nicht, da sie die leisen, hochfrequenten Konsonanten nicht wahrnehmen.

Ursachen von Hörstörungen
Hörschäden durch pathologische Veränderungen im äußeren Ohr sind relativ selten. Am häufigsten ist die Verlegung des Gehörganges durch Cerumen (Cerumen obturans); weiters Fremdkörper im Gehörgang, Mißbildungen und entzündliche Veränderungen. Häufiger sind Hörschäden durch pathologische Veränderungen im Mittelohr, bei Kindern sind hier insbesondere die entzündlichen Mittelohrerkrankungen mit Paukenerguß anzutreffen.
Der Großteil der Hörschäden ist durch Veränderungen in der Cochlea bedingt, die nicht nur zu Hörverlust, sondern auch zu Tinnitus (Ohrgeräuschen) führen können. Eine der häufigsten Ursachen für Hörschäden in der Cochlea ist die Einwirkung von Lärm. Diese Schäden sind überwiegend bleibend!

Auswirkungen von Hörstörungen
Eine Hörstörung bedeutet nicht nur weniger zu hören, sondern betrifft die Gesamtpersönlichkeit. Dadurch, daß die Betroffenen nicht hören und nicht richtig verstehen, werden sie häufig mißtrauisch, ängstlich und ziehen sich zurück, wodurch sie vermehrt in die Isolation geraten.
Von besonderer Bedeutung ist die Auswirkung von frühkindlichen Hörstörungen auf die Gesamtentwicklung des Kindes. Frühkindliche Hörschäden beeinträchtigen nicht nur die Hör-Sprachentwicklung, sondern auch die soziale und emotionale sowie die kognitive Entwicklung des Kindes und haben Auswirkungen auf die Interaktion der Familie.

Diagnose von Hörstörungen
Hörstörung einschließlich Tinnitus ist grundsätzlich nur ein Symptom und erfordert deshalb eine genaue Abklärung. Ziel der Diagnostik ist es:

* die zugrunde liegende Pathologie zu erheben bzw. alternative pathologische Veränderungen aus zu schließen,
* festzustellen, ob eine Therapie notwendig bzw. möglich ist
* die therapeutischen Maßnahmen auswählen.

Therapie.
Primär ist die Behebung der zugrunde liegenden Erkrankung mittels kausaler Therapie anzustreben. Gelingt damit keine ausreichende Hörverbesserung, ist eine entsprechende prothetische Versorgung - meist mit Hörgeräten, in Ausnahmefällen mit Cochlear Implantaten - erforderlich.

Prophylaxe
1. Vermeidung der Hörschäden:

* Die wirkungsvollste Maßnahme zur Verhütung von Hörschäden ist Vermeidung von Lärm in jedem Alter!
* Extrem lauten Schall meiden (z.B. lautes Kinderspielzeug am Ohr des Kindes, Schießlärm usw.)
* Bei lautem Schall die Grenzwerte von Intensität und Einwirkungsdauer einhalten (z.B. Aufenthaltsdauer in Diskothek, Open Airs, Lärmarbeit usw.)
* Tragen von persönlichem Gehörschutz bei Lärmarbeit in Beruf und Freizeit.

2. Vermeiden der Folgeschäden:

* Frühzeitiges Erkennen der Hörschäden
* Setzen von (Re)habilitationsmaßnahmen

Sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter können die Folgeschäden durch frühzeitiges Erkennen und Einsetzen entsprechender (Re)habilitationsmaßnahmen einschließlich prothetischer Versorgung minimiert werden.

Fazit

* Hörstörungen sind Symptom verschiedenster Erkrankungen
* Nichterkennen der zugrunde liegenden Erkrankung kann schwerwiegende gesundheitliche Schäden zur Folge haben.
* Hörschäden können in jedem Alter auftreten
* Nicht erkannte Hörstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern können fatale Auswirkungen auf ihre allgemeine Entwicklung haben.
* Verhütung durch Hörschäden ist möglich und sollte konsequent angestrebt werden.

Hörstörungen müssen nicht sein, durch entsprechende Prophylaxe können sie oft verhindert werden!
Frühzeitiges Erkennen der Hörschäden verhindert spätere Probleme!

Adresse:
a.o. Univ.Prof. Dr. Kunigunde Welzl-Müller, Ass.Prof. Dr. Doris Nekahm
Klinische Abteilung für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen
Anichstr. 35
A-6020 Innsbruck
Tel: 0512-504-3220, Fax: 0512-504-3219
email: Kunigunde.Welzl-Mueller@uibk.ac.at
Doris.Nekahm@uibk.ac.at
 
 
ÖGK für Gesundheit GmbH | Vereinigung zur Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsaufklärung |
Hellbrunnerstraße 1a | A-5081 Anif | Tel: +43 (0) 662/632940 | Fax: +43 (0) 662/641516